Einschulungsfeier 2017

Die kleinste Schule Hessens in Gammelsbach ist ein Schatz, den es zu bewahren gilt

Ihren ersten Schultag wird die kleine Lilly nicht so schnell vergessen. Denn welche ABC-Schützin kann von sich schon behaupten, dass zu ihrer Einschulung der hessische Kultusminister zu Besuch war. Und nicht nur der: In der kleinsten Schule Hessens versammelten sich neben Prof. Alexander Lorz auch der Leiter des Staatlichen Schulamts in Heppenheim, Rainer Kilian, Kreisbeigeordneter Oliver Grobeis und der Landtagsabgeordnete Rüdiger Holschuh (SPD). Sie alle waren sich einig in dem Bestreben, die kleinen Schulen im ländlichen Raum zu erhalten.

Lilly, die einzige Erstklässlerin in ihrem Jahrgang, war durch die Schultüte in Regenbogenfarben mit Eule und dem Schulranzen mit Rehmotiv unschwer auszumachen. Ihre Mitschüler lernte sie bereits am Schnuppertag kennen, sagte Schulleiterin Nina Allmann. Da gefiel es ihr so gut, dass sie gleich noch zum Sportunterricht bleib. Allmann ging auf die vielfältigen Anstrengungen auch unter ihrer Vorgängerin ein, „die kleinste und schönste Schule des Kreises“ zu erhalten. Umso mehr freute es sie, den Kultusminister begrüßen zu dürfen.

In der vergangenen Zeit wurde bereits einiges in die fast 100 Jahre alte Reinhart-van-Gülpen-Schule investiert, erläuterte sie. So erhielt das Gebäude eine neue Küche und einen Laptopwagen. Daneben wurden zahlreiche Ausbesserungen vorgenommen. Mit denen wird es auch weitergehen. So steht eine Erneuerung der Toiletten auf der Agenda. „Wir sind es wert“, betonte Allmann. Die Schülerzahlen seien in den kommenden Jahren stabil, hob sie hervor.

„Die Schule ist eine kleine Oase“, sagte Allmann. Der ländliche Raum werde durch ihre Existenz gestärkt. Viele tragen ihren Worten zufolge zum Gelingen bei. Ein großer Aktivposten ist die sehr engagierte Elternschaft. Die Leiterin bezeichnete die Lehranstalt deshalb auch als „Schatz, den es zu bewahren gilt“. Das Kindermoderatorenteam Melike und Mika, das durch die Feier führte, kündigte danach den Kultusminister an.

„Dieses Aufgebot am ersten Schultag hat nicht jedes Kind“, meinte dieser scherzhaft an Lilly gewandt. Lorz wies darauf hin, dass die zwei kleinsten hessischen Schulen im Odenwaldkreis liegen: neben Gammelsbach noch Sensbachtal. Hinter dem Besuch stehe auch die Botschaft, „dass sich das Land zum Erhalt kleiner Schulen bekennt“.

Lorz betonte wie auch die anderen Redner die Bedeutung dieser Lehranstalten für einen Ort wie Gammelsbach. Der Erhalt funktioniere aber nur mit Unterstützung des Schulträgers. Und der hat sich, wie der Kreisbeigeordnete Oliver Grobeis sagte, diese ebenfalls auf die Fahnen geschrieben. Die Grenze für den Erhalt einer Grundschule sei in Hessen mit 13 ganz niedrig festgesetzt, so Lorz. Das Starterpaket, eigentlich nur für die Erstklässler gedacht, gab es angesichts der weniger Kinder gleich für alle.

Kilian freute sich über die Unterstützung des Landes, die auch dem Schulamt seine Arbeit erleichtere. „Feiert den Tag schön“, meinte er an die Kinder gewandt. Mit Rüdiger Holschuh ist ein ehemaliger Gammelsbacher Grundschüler jetzt Landtagsabgeordneter. „Damals waren wir 19 Erstklässler“, machte dieser den demografischen Wandelt deutlich. Gerade im Grenzgebiet nach Baden-Württemberg sei ein breites Schulangebot wichtig, betonte Holschuh. „Ihr seid in einer tollen Schule“, attestierte er den Kindern.

Für den Schulträger ist es „das Schönste überhaupt“, den Worten der Vorredner zu lauschen. Signalisierten diese doch die vollste Unterstützung für den Standort, meinte Grobeis. Die „Nestwärme“ sei in den kleinen Orten und Schulen wichtig, betonte er. Ihre Schüler zeichneten sich durch eine hohe Sozialkompetenz aus. Auch weiterhin werde man unter dem Slogan „Kurze Wege für kurze Beine“ investieren. Gerade in der neuen Stadt Oberzent mit ihren dann vier Grundschulen sei aufgrund der großen Entfernungen deren Erhalt von Bedeutung.

Reinhart-van-Gülpen-Schule Gammelsbach

  • Umrahmung der Feier mit dem Schulfestlied „Unsere Schule hat keine Segel“, dem Schullied und einem Sommer-Gedicht von drei Zweitklässlern. Zum Abschluss Überreichung eines von den Schülern gestalteten Warhol-Bilds an Prof. Lorz sowie einer Schulbrezel an Lilly und Lorz.
  • Kollegium: Leiterin Nina Allmann und zwei Lehrer mit fünf bzw. sieben Stunden Deputat
  • derzeit 17 Schüler in den Klassen 1 bis 4
  • Fritz Reinhart-van Gülpen war ein Unternehmer, der den Gammelsbachern 1924 ein Schulgebäude „spendiert“ hat. Geboren 1869 in Worms, starb er 1947 in Bensheim.

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 15. August von Thomas Wilken

Ganz viele waren gekommen, um Lilly bei uns willkommen zu heißen. Der Klassenraum war richtig voll!

Das Moderatorenteam Melike und Mika führten sicher durch das Programm.

Zwei Lieder haben wir gesungen: Unseren Schulsong und das Schulfestlied.

Die frischgebackenen 2. Klässler Laya, Leonie und Romy sagten ein Gedicht auf.

Hier nochmal unser Besuch: Prof. Dr. Alexander Lorz, Oliver Grobeis, Rüdiger Holschuh und Rainer Kilian. (von links nach rechts)

Kultusminister Herr Lorz bekam auch eine traditionelle Einschulungsbrezel vom Bäcker Riesinger.

Klassenfoto mit Herr Lorz.

Während sich die Erwachsenen im und um das Gebäude herum unterhielten und etwas tranken und aßen, fragten die Kids die Polizeibeamten aus, die zum Schutz von Herrn Lorz vor dem Schulgelände standen.

Dann warteten wir auf Pfarrer Frohmuth.

Er hat in seiner gewohnten Art einen ganz tollen Einschulungsgottesdienst mit uns gefeiert. Bei den Liedern war voller Körpereinsatz gefragt. Es hat großen Spaß gemacht.

Ab jetzt ist Lilly ein Teil von uns. Wir freuen uns sehr darüber.